Wahrnehmungsstörungen

Letztes Weihnachten, beziehungsweise die Nacht davor, wollte ein Kollege meines Freundes bei uns Übernachten, da er angeblich seinen Schlüssel verloren hatte. Mein Freund war nicht zu Hause, er war nach Berlin gefahren. Sein Kollege wusste das, da ich ihn früher an diesem Abend bereits getroffen hatte und er sich danach erkundigt hatte. Nichtsahnend ließ ich ihn nach ewigem Hin und Her und seinem kurzen Gespräch mit meinem Freund in unsere Wohnung, in der bereits die Couch im Wohnzimmer vorbereitet war. Ich stellte ihm eine Flasche Wasser hin, da er zuvor in einer Bar gewesen war und ich annahm, dass er nachts Durst bekommen würde. Dann ging ich ins Schlafzimmer, zog mich um und legte mich ins Bett, um zu Schlafen. Dann kam die erste Nachricht auf mein Handy: "Hast du noch eine richtige Bettdecke?" Ich brachte ihm also die Bettdecke meines Freundes hinüber, schließlich konnte ich den Bezug am nächsten Tag wechseln. Ich legte mich wieder ins Bett und versuchte zu schlafen. Dann hörte ich den Kerl ins Badezimmer gehen und schließlich in die Küche, den einzigen Ort unserer Wohnung, in dem das Rauchverbot nicht galt. Zwei Sekunden später stand er in meinem Schlafzimmer. "Sind das Plätzchen auf dem Tisch in der Küche? Warum hast du mir noch nichts angeboten?" Ich entgegnete, dass ich schlafen wolle und er sich wenn es unbedingt nötig sei, einfach welche nehmen solle. "Hat Markus* noch irgendwo Zigaretten herumliegen?" Ich antwortete mit nein und dass ich einfach nur schlafen wolle. Irgendwann ging er endlich wieder aus dem Schlafzimmer heraus. Dann kamen Nachrichten auf mein Handy, in denen er mich total plump anbaggerte. Ich zeigte keinerlei Interesse an ihm, auf seine Frage, ob ich mich nicht mal nach jemand anderem sehnte, antwortete ich mit nein und dennoch verlief die Nacht so, wie sie nur in meinem schlimmsten Albtraum hätte verlaufen sollen. Irgendwann begann dieses ekelhafte Mastvieh mir einzureden, dass mein Freund mir fremdgegangen sei, um mich derart aus der Fassung zu bringen, dass ich jegliche Treue vergessen sollte. Wobei er am Anfang immer nur andeutete und ich oftmals einfach nicht mehr antwortete. Das erste Mal kam er nur herein und fasste mich an Schulter, Rücken, Taille und Po an, wobei er die Hände zum Teil an meinem Körper hinabgleiten ließ, während ich total starr geworden mit einem Kissen auf meinen Kopf gepresst auf dem Bauch im Bett lag. "Antworte mir doch mal, Süße" als er wieder raus war, schrieb ich ihm er solle mich in Ruhe lassen, ich wolle schlafen. Zu diesem Zeitpunkt war es bereits halb 2 in der Nacht. Dann kam er etwas später wieder herein und ich hörte nur wie er sagte:"Wenn du ein bisschen nett zu mir bist, Erzähl ich dir alles!" Erschrocken drehte ich mich um und starrte ihn an. Er stand in Boxershorts vor mir, hatte die Bettdecke von meinem Freund um seine Schultern gewickelt. "WAS?!" Fragte ich ihn nur total entgeistert. Er kam ans Bett, öffnete seine Arme und stand so gut wie entblößt vor mir. Dann setzte er sich auf die Bettkante und fing an, mich zu berühren. Ich rutschte im Bett Richtung wand, kauerte mich zusammen. Ich wollte einfach nur aufwachen, schließlich musste das ein Traum sein. Er sah dies scheinbar als Aufforderung und legte sich richtig zu mir in Bett. Dann sagte er mir, dass es ihm Leid tue und Markus* ihm erzählt habe, dass er bereits mehrere Male fremdgegangen sei. Ich begann zu weinen. Ich hatte einen Kerl im Bett, vor dem ich mich ekelte, mein Freund, der einzige Halt, den ich hier noch hatte, hatte mich scheinbar betrogen und zu allem Übel lag mein Handy auf dem Nachttisch, an den ich nicht rankam, da zwischen ihm und mir dieses Mastvieh lag. Ich fragte, ob das wirklich sein müsse, ob er nicht einfach wieder ins Wohnzimmer gehen könnte, während ich mir einredete, dass alles gar nicht so schlimm sei, wie es mir vorkam. Dass alles nur ein riesengroßes Missverständnis sei. Er begann mich anzufassen. Ich fing an zu schreien. Ich schrie er solle aus dem Zimmer gehen und mich alleine lassen. "Ich will nicht, dass du jetzt alleine bist" und ich schrie zurück, das ich nicht wolle, dass er in meinem Bett lag. Ich schrie und schrie und schrie, während ich mich immer näher an die Wand drückte und zusammenkauerte. Ich hatte solche Angst, dass ich alles herum vergaß. Irgendwann ging er tatsächlich wieder rüber, dennoch schlief ich in dieser Nacht nur 3 Stunden. Ich hatte die ganze Zeit Angst, er würde wiederkommen. Als mein Freund am nächsten Morgen bemerkte, dass ich versucht hatte ihn zu erreichen, als er meine Nachrichten las, rief er ihn an, und sagte, wenn er nicht sofort die Wohnung verlasse, würde er ihn totschlagen. Eine Stunde später war er bei mir und versuchte mich zu trösten. Bevor sein Kollege jedoch gegangen war, war er nochmals in mein Zimmer gekommen und hatte mich gefragt, ob ich ihm das allen ernstes hatte erzählen müssen. Ich solle das richtig stellen, solle sagen, er wäre im Schlaf gewesen, er wolle seinen Kumpel nicht verlieren. Ich habe nie so etwas dreistes erlebt. Nicht alle Opfer schweigen, nur nicht alle nicht schweigenden Opfer überleben das auch. Ich kam verspätet an Heiligabend zu meinen Eltern. Erzählte, was geschehen war. Ganz trocken fragten sie nur, was mit dem Typen nicht zu stimmen schien. Ob er betrunken gewesen war, oder irgendwie auf den Kopf gefallen. Warum ich oh überhaupt in die Wohnung gelassen hatte. Keiner interessierte sich dafür, wie es mir ging. Nur der Kerl war Thema. Und wie ich so dumm hatte sein können ihn rein zulassen. Ich wollte jemandem helfen, den ich vorher sogar nett gefunden hatte. Dem ich im gewissen Maße vertraut hatte. Und der meinem Freund mal ein guter Kumpel zu sein geschienen hatte. Alles was letztendlich in den Augen meiner Eltern zur Sprache zu kommen hatte, waren meine Torheit und seine Promillezahl... Wahrnehmungsstörungen?

5.4.17 18:36

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