Wie die Schule uns die Freude nahm

Warum kann Lernen keinen Spaß machen? Als kleine Kinder waren wir doch alle wissbegierig, wollten erfahren, was in der Welt vor sich ging. Wir gingen überall ran, kaum jemand schaffte es uns zu bremsen. Wer erinnert sich noch an unsere Experimente, die unsere Eltern meist nur sehr kritisch begutachteten?Ich habe zum Beispiel als Kind versucht selbst Parfüm herzustellen, was mir meiner Meinung nach auch gelang. Meine Oma war darüber nicht allzu glücklich. Ich hatte alle Blüten von den Rosen in ihrem Garten gepflückt und in einem Wasserbad stundenlang umgerührt. Zurück blieb eine klebrige, braune übelriechende Masse in einem Eimer mit Wasser. Was genau ist also mit diesem neugierigen kleinen Mädchen passiert, dass es mir heute so schwer macht zu lernen? Das Geheimnis liegt in der Schule. Die Bewertung, der Vergleich mit anderen, das alles zieht Spuren nach sich. Schlechte Bewertungen ziehen Negativ-Erlebnisse mit sich. Kein Mensch ist perfekt und so gibt es immer Bereiche, in denen wir trotz lernen und wiederholen Mangel haben. Das sorgt dafür, dass wir in diesem Fach oder diesen Fächern schlechte Bewertungen bekommen. Wir assoziieren also, dass wir trotz lernen schlecht sind. Und wenn wir mit und ohne Lernen die gleichen Misserfolge haben, kürzen wir das Lernen einfach raus. Wir sehen dann, dass wir ja jetzt viel mehr Zeit haben, für Sachen in denen wir gut sind und in denen wir schneller und wesentlich leichter Erfolge haben, das Spielen. Bekommen wir jetzt in anderen Fächer auch schlechte Zensuren, obwohl wir gelernt haben, so lassen wir nach und nach auch dort das Lernen weniger werden, bis wir es letztendlich ganz lassen oder ihm nur widerwillig nachgehen. Der Spaß, der nur durch Erfolge entstand, schwindet also. Zumindest wenn es um das aktive Lernen geht. Ist es da nicht klar, dass wir immer dümmer werden? Aber statt da aktiv gegenzuwirken, in dem Lehrer Schüler, die sowieso schon schlecht sind, dann mal ausgiebig loben, wenn diese etwas gut gemacht haben, um ihnen zu zeigen, dass Lernen sich lohnt, wird noch gemeckert, geschimpft und Vorwürfe werden gemacht. Dann kommt der Elternsprechtag, die Lehrer schimpfen die Eltern aus, dass deren Kinder nicht genug lernen und sie sich mehr um ihre Blagen kümmern sollen und die Sache geht zu Hause weiter. Wie sollen Schüler so denn bitte noch Spaß am Unterricht haben? Wie kann ihnen abverlangt werden, klüger zu werden? Am besten sind dann noch die Menschen, die Sprüche klopfen wie: "Die Abiturienten werden auch immer dümmer!" Ja, wie bitte soll sich da denn auch was ändern? Wir sollen alles lernen, was uns nicht interessiert. Und das was uns interessiert, wird als unnötig, als Zeitverschwendung abgetan. Wie oft habe ich zu hören bekommen: "Mach doch mal was sinnvolles! Geh studieren! Üb doch mal für Mathe! Du interessierst dich auch für rein gar nichts!" Das meine Interessen nicht die Interessen sind, die der Rest meiner Familie vertritt, ist doch nicht mein Problem. Warum also sollte es denn mein Leidwesen sein, wenn sie mich nicht verstehen? Aber nein. Nicht sie müssen einsehen, dass ich anders bin, als sie. Ich muss mich verändern. Verändern und anpassen. Und das sorgt bei mir für Negativ-Erlebnisse. Ich soll lernen, was mich nicht interessiert, habe keinen Spaß und kann mir nichts merken. Alles kommt mir unlogisch vor, ich verstehe es nicht und bekomme schlechte Zensuren. Und statt dass jemand mal sagt: "Ja, das war halt nicht dein Thema, das nächste machst du bestimmt besser." kommen wieder nur Vorwürfe, dass ich faul und dumm wäre. "Der/die ... konnte das viel besser, nimm dir mal ein Vorbild.. bla bla." In Frankreich, Amerika und manch anderem Land gibt es inzwischen die Freilerner. Kinder, die nicht in die Schule gehen, die zu Hause lernen. Und nicht etwa nach dem Lehrplan. Nein, sie lernen das, was sie gerade interessiert. Und sie lernen besser. Weil sie nicht gezwungen sind, sich mit Integralen und Gedichtsinterpretationen zu befassen. Sie suchen sich ihren Lernstoff selber aus, gestalten sich selber den "Unterricht". Sie erforschen, sie experimentieren. Sie tun alles, was ein Schulkind nicht tun darf. Sie sind ihr eigener Herr und wenn sie nicht weiter wissen, fragen sie ihre Eltern oder suchen in Büchern und dem Internet nach einer Antwort. Und Eltern die behaupten, dass sie ihre Kinder nicht selbst unterrichten könnten, lügen. Man muss den Kindern doch nur das Schreiben und Lesen beibringen. Vielleicht noch ein bisschen rechnen. Aber warum können sie den Rest denn nicht in eigener Regie erledigen? "Wenn du nicht in die Schule gehen würdest, würdest du den ganzen Tag nur spielen!" So ein Quatsch! Dafür sind Menschen, genau wie die Tiere viel zu neugierig!Das Einzige, was Menschen darin hemmt, Spaß beim Lernen zu haben, sind die Schulen mit ihren Bewertungssystemen, Lernplänen und ihrer schwarz-weißen Denkweise!

3.7.17 13:51

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